24.01.2012
Jahresbericht 2011 des Wehrbeauftragten
In seinem am 24. Januar 2012 vorgelegten Jahresbericht 2011 stellt der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, fest, dass ihm "unverändert" Klagen über Defizite von Vorgesetzten bei der Wortwahl und im persönlichen Umgang herangetragen wurden. "Die Vorwürfe (...) offenbarten manchmal rücksichtloses, zum Teil auch geringschätzendes Verhalten." Ebenfalls mit Sorge sei zu beobachten, dass auch im Jahr 2011 "Petenten über unangemessene und herabwürdigende Aufnahmerituale" berichtet haben.
Auch gäbe es zahlreiche Stellungnahmen höherer Disziplinarvorgesetzter, die die Ermittlungen und getroffenen Maßnahmen bei erheblichen Dienstpflichtverletzungen in der Bundeswehr als unzureichend rügten. Ermittlungen würden "weder gemäß den Vorgaben der Wehrdisziplinarordnung durchgeführt, noch wurden Förmlichkeiten beachtet, bisweilen wurde überhaupt nicht ermittelt. Disziplinar wurde oftmals auch dann nicht eingeschritten, wenn es zwingend geboten gewesen wäre", heißt es im Bericht.
Für den Bereich "Besonderer Vorkommnissen" mit Verdacht auf rechtsextremistische, antisemitische oder fremdenfeindliche Hintergründe gäbe es nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen der rechtsextremistischen Szene zur Bundeswehr. 2011 seien insgesamt 63 solcher Vorkommnisse gemeldet worden. Dabei habe es sich ausschließlich um "Propagandadelikte" wie das Hören von rechtsextremistischer oder fremdenfeindlicher Musik, einschlägige Schmierereien, das Zeigen des "Hitlergrußes", "Sieg-Heil-Rufe", Nazi-Parolen sowie ausländerfeindliche und antisemitische Äußerungen gehandelt.
Weiterhin stellt der Wehrbeauftragte fest, dass in der Grundausbildung Rekruten durch Vorgesetzte beleidigt und herabwürdigt sowie Befehle in alkoholisiertem Zustand erteilt wurden. Auch unzulässige Ausbildungen habe er festgestellt. "Hinzu kam ein unangemessener und die Gesundheit zusätzlich gefährdender Umgang mit kranken und vom Dienst befreiten Rekruten."
Rund 1.800 der insgesamt 4.612 eingegangenen Eingaben und Beschwerden, für die der Wehrbeauftragten zuständig ist, betreffen den Bereich Menschenführung/Wehrrecht/Soldatische Ordnung. Zwar ist die Gesamtzahl der Eingaben in absoluten Zahlen die niedrigste seit 1967 und gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Gemessen an der Truppenstärke ist die Eingabenquote allerdings angestiegen. Darauf verweist der Wehrbeauftragte in seiner Einleitung zum Jahresbericht.
Der Tod einer Kadettin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November 2010 wird in dem Bericht noch einmal aufgegriffen. Die Staatsanwaltschaft habe zwar "kein individuelles, dem Tod der Kadettin direkt zurechenbares, schuldhaftes Handeln feststellen" können. Allerdings seien im Rahmen der Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Marineführung sowie der Untersuchung einer Havariekommission "Führungsdefizite und Sicherheitslücken auf der Gorch Fock" aufgezeigt worden. Auf dem Schiff habe es darüber hinaus Traditionen gegeben, "die auch nach Auffassung der Marineführung nicht mit den Grundsätzen einer zeitgemäßen Menschenführung zu vereinbaren waren und deshalb untersagt wurden."
Auch auf zwei Vorfälle "aus dem Jahr 2010 im deutschen Verantwortungsbereich in Norden Afghanistans" - die unterlassene Einrichtung einer Flugverbotszone und den Beschuss einer Funkstelle - weist der Bericht hin. Aufgrund einer Eingabe sei der Wehrbeauftragte tätig geworden. "Im Rahmen der eingeleiteten Überprüfung wurden Unsicherheiten und Defizite in der konkreten Anwendung von Einsatzregeln sichtbar. Zudem war eine zu geringe Akzeptanz der Regeln zu konstatieren."
- Bundestag: Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten. Jahresbericht 2011 (53. Bericht) vom 24.01.2011, Drucksache 17/8400.
- bundestag.de: Wehrbeauftragter zeigt sich besorgt über schlechte Stimmung und tiefgreifende Verunsicherung in der Truppe, Version vom 24.01.2012, abgerufen am 24.01.2012 unter http://www.bundestag.de/presse/hib/2012_01/2012_034/01.html
| Kategorie: | Innenansichten |
|---|---|
| Stichwörter: | Innere Führung, rechts, Vorkommnis, Wehrbeauftragter, Übergriff |
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